Eine Hommage

„German sounds harsh“. Ein Satz, den ich schon viel zu oft, von zu vielen Schülern, aus viel zu vielen Ländern, gehört habe. Die Deutsche Sprache hat zugegeben nicht den bekannten melodischen Klang des Italienischen und genießt auch nicht den Ruf ein- fach zu sein, wie z.B. das Englische. Doch gerade das macht sie in meinen Augen bzw. Ohren so speziell. Deutsch zu beherrschen, kann mit einem akrobatischen Kunststück gleichgesetzt werden: üben, üben, üben lautet die Devise und trotzdem hapert es bei der Vorführung am Ende vielleicht doch noch ein bisschen. Eine echte Herausforderung eben, manchmal selbst für Muttersprachler.

Sprache reflektiert die Kultur und umgekehrt. Es heißt Deutsche könnten nicht so einfach ihren Gesprächspartner unterbrechen, da das Verb in Nebensätzen am Ende steht. Empfinde ich persönlich als sehr, sehr angenehm, denn ich kann in Ruhe meinen Gedankengang zu Ende führen, ohne Angst davor haben zu müssen, von den anderen  Gesprächsteilnehmern gleich mit Gegenfragen überrollt zu werden. Auf Deutsch kann man beliebig lange Wörter kreieren, je nach Lust und Laune. Wenn es ein Wort nicht gibt, oder man es gerade gedächtnistechnisch verlegt hat, schafft man sich einfach ein neues Wort. Von wegen Deutsch sei kreativlos und langweilig.  Die Möglichkeiten der deutschen Wortbildung bieten einen unendlichen Spielraum zum Ausprobieren. Der bekannte Satz „learning by doing“ bekommt so eine ganz neue Dimension.

Am meisten jedoch schätze ich den Jugendfaktor (voilà ein selbst erschaffenes Wort!). Jetzt runzeln Sie vielleicht die Stirn und denken ich habe einen über den Durst getrunken. Nein, ich meine das völlig ernst. Wenn man Deutsch spricht, braucht man den Mund nicht so weit aufzumachen und beansprucht die Gesichtsmuskeln deshalb nicht so stark, wie in anderen Sprachen. Das Ergebnis? Weniger Falten! Na? Habe ich es geschafft Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern? Wenn nicht, bitte ich um Verzeihung. Wenn doch, scheinen Sie mir zuzustimmen. Deutsch ist einzigartig und deshalb wert gelernt zu werden. Schluss. Aus. Ende. Punkt.

„Ich bezweifle, dass es jemals einen Konsens darüber geben wird, was ein Wort schön macht. Und unsere Perzeption von Klang ist immer beeinflusst von der Bedeutung. Viele Englischsprecher empfinden Deutsch zum Beispiel als eine harte und hässliche Sprache. Nichts falscher als das: Wenn es sanft gesprochen wird, zum Beispiel von einer weiblichen Stimme, dann kann jeder Satz wie melodische und melancholische Poesie klingen. Das negative Empfinden hat offensichtlich mit überlebten Klischees über die deutsche Kultur zu tun, von der sich die Hörer nicht befreien können.“

“I doubt that there can ever be any consensus on what makes a word pretty. And our perception of sound is always biased by meaning. Many English speakers have a perception of German, for example, as a harsh and ugly language. Nothing could be farther from the truth: when spoken softly, particularly by a female voice, every sentence can sound like a particularly, lulling and melancholic poem. Obviously, the negative perception comes from dated clichés of German culture, which are inescapable to those listening to the language”

Russell Smith, Beauty is in the thesaurus of the beholder, Globe and Mail, 02/12/04

2 thoughts on “Eine Hommage

  1. Hallo Maria,
    das ist wirklich interessant! Ich habe letztens eine Studie gefunden, in der die Aussprache mit der jeweiligen Wetterlage eines Landes in Relation gebracht wurde. Je kälter, desto geschlossener der Mund und umgekehrt!
    Liebe Grüße zurück,

    Sofia

  2. Ich meine doch, dass die Artikulation bei der russischen Aussprache noch leichter ist. Wir koennen sogar mit zugemachtem Mund alles aussprechen und einander gut verstehen.
    Mit herzlichen Gruessen Maria aus dem Ural (Russland, N, Tagil)

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